Wir sehen die Pläne zur Kürzung des Kindergeldes für im Ausland lebende Kinder mit großer Sorge. Diese Debatte zielt erneut auf jene Menschen, die ohnehin in den am schlechtesten bezahlten Arbeitsbereichen der deutschen Wirtschaft tätig sind – in der Pflege, der Landwirtschaft, der Logistik oder im Bauwesen.
Statt ihnen Respekt zu zollen, werden sie nun öffentlich unter Generalverdacht gestellt: als potenzielle Betrüger*innen oder Kostenfaktor. Das halten wir für eine gefährliche und ungerechte Verzerrung. Die Menschen, die aus Polen, Rumänien oder Tschechien nach Deutschland kommen, leisten reale Arbeit, sie zahlen Steuern und Sozialabgaben, und sie tragen entscheidend dazu bei, dass in vielen Branchen überhaupt Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.
In den Plänen der Union zeigt sich deutlich, dass der Politik der Blick über den Tellerrand fehlt, denn längst nähern sich die Lebenshaltungskosten in vielen europäischen Ländern denen in Deutschland an. Wer also behauptet, das Leben in Osteuropa sei deutlich billiger, ignoriert die wirtschaftliche Realität zahlloser Familien, die mit steigenden Preisen auch dort zu kämpfen haben.
Das Kindergeld ist keine Gnade des deutschen Staates, sondern eine soziale Leistung für Kinder von Menschen, die hier arbeiten und Beiträge leisten, unabhängig davon, wo ihr Wohnsitz liegt. Eine Kürzung mit dem Verweis auf „Lebenshaltungskosten“ im Ausland würde Kinder innerhalb der EU ungleich behandeln und damit zentrale europäische Grundwerte untergraben.
Solche Pläne schwächen das Vertrauen in die europäische Solidarität und senden ein falsches Signal an diejenigen, die tagtäglich mit ihrer Arbeit zu Deutschlands Wohlstand beitragen. Wirkliche soziale Gerechtigkeit entsteht nicht durch Kürzungen, sondern durch Anerkennung, faire Arbeitsbedingungen und ein gemeinsames Verantwortungsgefühl innerhalb Europas.
Joanna Szymanska-Bica
Polnischer Sozialrat e.V.
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